Seit den israelischen Parlamentswahlen vergangenen Dienstag haben zahlreiche Kommentatoren, Analysten und Experten davon gesprochen, dass das politische Establishment Israels nicht bereit sei, mit den erstarkten arabischen Parteien zu koalieren.
Erklärt wurde diese vermeintliche einseitige Ausgrenzung arabischer Parteien meist durch "Vorbehalte" auf jüdisch-zionistischer Seite, in manchen Fällen auch durch "rassistische Vorbehalte" des jüdischen Establishments gegenüber Arabern.
In einem Interview mit CNN erklärt Yousef Jabareen, der Vorsitzende der größeren der beiden arabischen Wahllisten, der "Vereinten Liste" ("Joint List"), warum er eine Beteiligung an jeder israelischen Regierungskoalition ablehnt und ausschließt.
Laut Jabareen würde seine Wahlliste, die er als Vertretung einer palästinensischen Minderheit innerhalb Israels versteht, durch eine Regierungsbeteiligung im derzeitigen Israel mitverantwortlich für Israels Besatzung des Westjordanlands und für israelische Militäreinsätze werden.
Volle Partizipation am israelischen politischen Leben wäre für Jabareen und seine Liste erst möglich, nachdem Israel unilateral die Besatzung und damit den Konflikt mit den Palästinensern beende, woraufhin der gesamte Nahe Osten zur Ruhe kommen könne. So die Vorstellung Jabareens.
Die Position Jabareens ist in Israel demokratisch legitimiert und hat seiner Liste 11 von 120 Mandaten in der Knesset gebracht. Diese Mandate kann er so einsetzen, wie er es im Sinne seiner WählerInnen für richtig hält. Aber der Umstand, dass er von sich aus eine Regierungsbeteiligung kategorisch ausschließt, sollte in Darstellungen israelischer Innenpolitik berücksichtigt werden.
Unter der bewussten oder unbewussten Ausklammerung dieses Umstandes sind zahlreiche Kommentare und Analysen der vergangenen Woche zu dem unausgesprochenen Schluss gekommen, dass Israels Weg in eine bessere Zukunft darin bestehen müsse, dass sich eine - rein in Mandaten ausgedrückt - 90%ige Mehrheit einer 10%igen Minderheit unterwirft und deren Vorstellungen widerspruchslos umsetzt, um innenpolitisch handlungsfähig zu bleiben bzw. zu werden.