Brief, den ich heute an die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschickt habe:
Im März 2023 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (
@faznet ) ein Porträt über mich, überschrieben mit meinen eigenen Worten: „In Iran zu dirigieren, das ist mein Traum“. Ich erzählte darin, wie ich als Neunjährige in Teheran meinen Klavierunterricht aufgeben musste, weil ich mich weigerte, bei einer Prüfung ein Kopftuch zu tragen – und dass ich davon träume, eines Tages das Teheraner Symphonieorchester in der Roudaki Hall zu dirigieren: in einem freien, säkularen und demokratischen Iran.
Nun lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Prinz Reza Pahlavi sei die falsche Wahl, um am 7. November in der Paulskirche den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung entgegenzunehmen. Als Iranerin, als Frau und als Künstlerin widerspreche ich entschieden.
@FAZ_Feuilleton
1. Der Preis gilt nicht einer Person, sondern dem iranischen Volk. Prinz Reza Pahlavi nimmt die Auszeichnung treuhänderisch entgegen, bis sie den frei gewählten Vertretern Irans übergeben werden kann. Darin spiegelt sich sein Lebenswerk: Seit mehr als vier Jahrzehnten setzt er sich aus dem Exil unbeirrt für den Tag ein, an dem die Menschen in Iran frei über ihre eigene Zukunft bestimmen können. Hinter ihm stehe ich – wie Millionen meiner Landsleute.
2. Wer Prinz Reza Pahlavi vor allem als „Sohn des Schahs“ vorstellt, tut so, als sei diese Herkunft ein Makel. Das Gegenteil ist der Fall: Unter der Pahlavi-Dynastie erlebte Iran einen beispiellosen Aufbruch – wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand, Industrialisierung, neue Universitäten, Alphabetisierung. Es war zugleich ein Aufbruch der Frauen: 1936 öffneten sich die Hörsäle der Universität Teheran für Studentinnen, 1963 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht, und 1967 stärkte das Familienschutzgesetz ihre Rechte in Ehe- und Scheidungsfragen sowie beim Sorgerecht. Iranerinnen wurden Abgeordnete, Senatorinnen, Richterinnen und Ministerinnen; sie gestalteten Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur ihres Landes aktiv mit. Auf diese Epoche dürfen wir Iranerinnen und Iraner stolz sein. Vor allem aber gilt: In Deutschland misst man Politikerinnen und Politiker nicht an der Herkunft ihrer Familie, sondern an ihrem eigenen Handeln. Dieser Maßstab muss auch für Prinz Reza Pahlavi gelten. Wer hier mit zweierlei Maß misst, verlässt den Boden einer fairen Debatte.
3. Freie Umfragen gibt es in Iran nicht, das stimmt. Aber es gibt Menschen, die seinen Namen unter Lebensgefahr auf die Straße tragen. Und es gab den 14. Februar 2026, als sich in München nach Angaben der Polizei rund 250.000 Menschen versammelten, um mit ihm für ein freies Iran einzutreten – ich war eine von ihnen. Ein Schreiben von 306 Vereinigungen verdient Gehör; aufwiegen kann es eine Viertelmillion Menschen nicht. Die ehrlichste Umfrage wird eine freie Wahl sein. Für genau diese Wahl kämpft Prinz Reza Pahlavi.
4. Iran braucht in der Zeit des Übergangs eine Persönlichkeit, die das ganze Land eint. Nur Prinz Reza Pahlavi kann diese Einheit stiften: Er steht für ein Iran, das allen seinen Bürgerinnen und Bürgern gehört – über alle Unterschiede hinweg.
5. „Frau, Leben, Freiheit“ und die Unterstützung für Prinz Reza Pahlavi schließen einander nicht aus. Als 2022 die Proteste begannen, initiierte ich an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg die Reihe „In Focus Iran – Musik und Kunst als Stimme des Widerstands“. Ich stand an der Seite dieser Bewegung, und ich stehe heute an seiner Seite. Wo einzelne Anhänger Andersdenkende niederschreien, sage ich ebenso klar: Das ist nicht unser Weg.
Der Friedrich-Naumann-Stiftung (
@fnfreiheit) danke ich für ihren Mut und ihre Standhaftigkeit – und dafür, dass sie Prinz Reza Pahlavi als Vertreter unseres Volkes anerkennt. Dass das iranische Volk in der Paulskirche geehrt wird, wo 1848 das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland zusammentrat, ist ein Zeichen, das bis nach Teheran reicht.