Heute wählt Israel ein neues Parlament und viele Palästinenser mit israelischem Pass, die ich kenne, haben noch nie gewählt, doch heute wollen einige zum ersten mal wählen. Der Grund warum sie nicht wählen ist einfach: An der Politik der Besatzung, der Vertreibung und der Gewalt in Palästina hat sich unter keiner Regierung etwas geändert, Abgeordnete, die diese Gewalt beim Namen nennen, wurden monatelang aus dem Parlament verbannt. Darüber hinaus wurden die palästinensische Städte und Gemeinden in Israel finanziell ausgehungert und das Zweiklassensystem im Land verfestigt sich von Jahr für Jahr weiter.
Das heute einige von ihnen wählen gehen, hat einen einfachen Grund: die Gewalt krimineller Banden, die sich in den palästinensischen Städten Israels immer weiter ausbreitet. 2025 wurden in der palästinensischen Gesellschaft in Israel 252 Menschen ermordet, so viele wie nie zuvor, und dieses Jahr droht selbst diese Zahl übertroffen zu werden. Seit Itamar Ben Gvir, ein wegen rassistischer Hetze verurteilter Rechtsradikaler, als Minister für Nationale Sicherheit über die Polizei bestimmt, hat sich die Zahl der Morde verdoppelt. Im besten Fall schaut diese Regierung einfach weg, in Wahrheit duldet sie die Gewalt, und da Ermittlungen ausbleiben und Täter unbehelligt bleiben, befeuert sie sie sogar. Dieselbe Polizei, die bei palästinensischen Protesten mit voller Härte zuschlägt, ist nicht zu sehen, wenn in Lyd, Um el Fahem oder Nazareth Menschen auf offener Straße erschossen werden.
Die Menschen, die heute wählen, machen sich keine Illusionen. Sie wissen, dass sich die Besatzung nicht ändern wird, ob unter Netanjahu und Smotrich oder Eisenkot und Benett. Was sie an die Urnen treibt, ist die Hoffnung, dass es eine starke Opposition gibt, die wenigstens darüber spricht, wenn sie Gewalt erfahren. Das Menschen die Stimme nur noch abgeben, um nicht auf offener Straße erschossen zu werden, sagt alles über den Zustand des Landes aus.